Wie viele unbesetzte IT Stellen gibt es in Deutschland?

Der IT Arbeitsmarkt hat sich in den vergangenen Jahrzehnten stark verändert. Durch den Einzug moderner Computertechnik in allen Bereichen des Lebens haben Unternehmen einen großen Bedarf für IT Fachkräfte. 

Noch in den 1990ern beschäftigte kaum eine Firma eigenes IT Personal. Mittlerweile haben aber selbst kleine und mittlere Unternehmen die Vorteile eigener IT Experten erkannt. Dass aufgrund der gestiegenen Nachfrage auf dem Arbeitsmarkt ein Mangel an IT Fachkräften herrscht, ist bekannt. 

Doch wie viele offene Stellen gibt es tatsächlich?

Vollbeschäftigung auf dem IT Arbeitsmarkt

Mit einer Arbeitslosenquote von nur etwa 3 Prozent existiert faktisch eine Vollbeschäftigung bei den IT Jobs. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass die Arbeitsmarktsituation für IT Fachkräfte sehr günstig ist, weil die Unternehmen attraktive Konditionen für Arbeitsverträge anbieten müssen, um qualifiziertes Personal zu bekommen. 

Ist eine Stelle vakant, kann sie häufig nicht besetzt werden. Der Boom auf dem IT Markt wurde durch die Corona-Pandemie noch verstärkt. Mit der Verlagerung vieler Arbeits- und Lebensbereiche in die digitale Welt kam es zu einem starken Beschäftigungswachstum im Bereich der IT Berufe. 

Vom Online-Handel über Online-Unterricht bis hin zum Homeoffice standen Arbeitgeber vor der Herausforderung, digitale Infrastruktur in kürzester Zeit hochfahren zu müssen. Gab es 2020 noch 86.000 offene Stellen im IT Bereich, waren es 2023 bereits knapp 150.000 zu besetzende Arbeitsplätze. Zum Vergleich: 2009 waren gerade einmal 20.000 offene Stellen verfügbar.

Nicht alle IT Experten sind gleichermaßen gefragt

Obwohl die Nachfrage nach IT Fachkräften nach wie vor groß ist, sind nicht alle offenen Stellen für alle Bewerber geeignet. Die Berufe der sogenannten Informations- und Kommunikationstechnik unterscheiden sich hinsichtlich Qualifikation und Tätigkeitsbereich zum Teil erheblich. 

Nicht alle IT Jobs werden von Absolventen eines Informatikstudiums erledigt. Daher lässt sich das Schlagwort des Fachkräftemangels auch nicht pauschalisieren. 

Grundsätzlich umfasst die IT Branche alle Bereiche, die sich mit der Entwicklung, kommerziellen Bereitstellung und Wartung von IT Systemen, Produkten und Dienstleistungen beschäftigen.

Beispiele für IT Berufe

  • Systemadministrator
  • Wirtschaftsinformatiker
  • Mediengestalter (Digital/Print)
  • Softwareentwickler
  • IT Consulting
  • IT Security

Dies sind nur einige der vielfältigen Tätigkeiten, für die IT Fachkräfte benötigt werden. Nicht für alle Bereiche ist jedoch ein Hochschulabschluss erforderlich. 

2013 lag der Anteil von IT Fachkräften mit Fachhochschul- oder Hochschulabschluss noch bei 42 Prozent; inzwischen liegt er bei über 50 Prozent. 

Gerade auf dem IT Arbeitsmarkt gibt es eine große Zahl an Quereinsteigern, die eine fehlende Qualifikation auf dem Papier durch praktisches Können wettmachen. Während insgesamt eine steigende Nachfrage für IT Fachkräfte besteht, gibt es einzelne Branchen, die einen Rückgang verzeichnen. So haben es beispielsweise Softwareentwickler, Webdesigner oder Content-Entwickler im IT Bereich zunehmend schwerer, sich am Markt zu behaupten. Dies liegt unter anderem an der rasanten Entwicklung im Bereich der Künstlichen Intelligenz, die zumindest einfachere Aufgaben bereits heute günstiger erledigen kann. 

Insgesamt lässt sich aber dennoch weiter von einem ausgeprägten Fachkräftemangel im Bereich der IT Experten sprechen.

Wie entwickelt sich der Arbeitsmarkt im IT Bereich

Bereits seit 2008 steigen die Studierendenzahlen im Bereich Informatik überdurchschnittlich an. Insgesamt waren Ende 2022 über 1,4 Millionen IT Fachkräfte in Deutschland beschäftigt. Im Vergleich zu 2013 ist das ein Zuwachs von fast 600.000 Stellen. Bemerkenswert ist hierbei der große Anteil sozialversicherungspflichtiger Arbeitsverhältnisse. 

Aber auch Beamte, Selbstständige und geringfügig Beschäftigte profitieren vom Boom. 

In vielen Berufen führt eine hohe Zahl an Studierenden mittelfristig zu einem Überschuss an Arbeitskräften. Nicht so auf dem IT Markt. Da die Nachfrage für IT Fachkräfte schneller wächst als die Zahl der Absolventen, kommt es zu einer Versorgungslücke. 

Auffällig ist die Verschiebung hin zu einem Anforderungsprofil, das einen formalen Abschluss erfordert. Dementsprechend sind nicht alle verfügbaren IT Jobs an den Mann oder an die Frau zu bringen.

Wie lässt sich der IT Fachkräftemangel bekämpfen?

Traditionell war die IT Branche lange eine Männerdomäne. Das mag damit zusammenhängen, dass die Popularität von Computertechnik nach ihrem Durchbruch in den 1980ern vor allem eine Sache von Jungs war. Mittlerweile hat sich das geändert, denn auch Frauen wählen immer öfter einen IT Beruf.

Bei den Arbeitgebern hat sich freilich noch nicht überall die Erkenntnis durchgesetzt, dass ein IT Experte nicht mehr dem klassischen Bild eines männlichen Nerds entsprechen muss. Bei größeren Unternehmen setzen die Verantwortlichen im Bereich HR längst auf Frauen in der IT. 

Bei kleinen und mittleren Unternehmen gibt es hingegen oft noch Mauern in den Köpfen der Personalchefs. Die Ausweitung auf weibliche Bewerberinnen für IT Jobs reicht aber alleine nicht aus.

Überdurchschnittliche Verdienstchancen für Bewerberinnen und Bewerber

Wie bereits erwähnt, profitieren IT Fachkräfte derzeit vom Fachkräftemangel, weil sie sich die Stellen aussuchen können. Dennoch bleiben viele offene Stellen länger vakant als gedacht. 

Häufig sieht das Anforderungsprofil nicht nur eine hohe Leistungsbereitschaft vor, sondern auch eine ständige Reise- oder sogar Umzugsbereitschaft. Vor allem die Mobilität stellt für viele IT Experten eine Hürde dar, wenn sie nicht ständig auf Dienstreise sein wollen. Hier sind die Arbeitgeber gefragt, ein entsprechend attraktives Arbeitsumfeld zu bieten.

Faktoren für die Attraktivität offener Stellen im IT Bereich:

  • überdurchschnittliche Bezahlung
  • Vergünstigungen wie Dienstwagen, E-Bike oder Jobtickets
  • Hilfe bei einem eventuell erforderlichen Umzug (Wohnungssuche, Mietzuschuss etc.)
  • attraktive Ausbildungs- und Fortbildungsmöglichkeiten
  • Aufstiegsmöglichkeiten
  • eigenverantwortliche Bereichsleitung

Weitere Möglichkeiten, dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken

Obwohl der Bedarf für IT Dienstleistungen in nahezu jeder Branche enorm groß ist, kann und will sich nicht jedes Unternehmen eine eigene IT Abteilung leisten. 

Da es außerdem schwierig ist, geeignete Bewerberinnen und Bewerber auf dem IT Arbeitsmarkt zu finden, ist etwas Kreativität gefragt. Eine Möglichkeit besteht darin, begabten Quereinsteigern eine Ausbildung im IT Bereich zu ermöglichen. 

Eine andere ist das sogenannte Offshore Outsourcing. Damit lassen sich IT Aufgaben besonders gut an Drittanbieter auslagern. Dank der universellen Vernetzung und der Nutzung von Cloud-Computing ist die Arbeit nicht mehr ortsgebunden. Auch die Einrichtung, Wartung und Pflege von IT Systemen lässt sich mittlerweile häufig outsourcen. Diese Methode erspart den Unternehmen die Suche nach eigenem Personal. Außerdem ist sie für viele kleine und mittlere Unternehmen oft die günstigere Lösung.

Fachkräfte aus dem Ausland holen

Wenn es um die erwünschte Zuwanderung in den Arbeitsmarkt geht, wird der IT Fachkräftemangel besonders oft von der Politik als Beispiel angeführt. 

In diesem Bereich lassen sich ausländische Fachkräfte vergleichsweise einfach in die Unternehmensabläufe integrieren. Außerdem gibt es in einigen Ländern einen großen Überschuss an qualifiziertem Personal. 

In der Praxis beklagen deutsche Unternehmen allerdings die hohen bürokratischen Hürden und mangelhafte Informationen über den genauen Ablauf des Einwanderungsprozesses. Daraus ergeben sich Probleme für die Planungssicherheit. Schließlich möchte niemand in IT Experten investieren, die dann unter Umständen nicht im Land bleiben dürfen. 

Aufgrund dieser relativ hohen Hürden setzt nur etwa ein Fünftel der Firmen auf die Rekrutierung von IT Fachkräften aus dem Ausland. Von diesen Unternehmen berichten viele über Schwierigkeiten und Verzögerungen bei der Erteilung eines Visums. 

Hinzu kommen sprachliche Probleme bei den Bewerberinnen und Bewerbern sowie die fehlende Anerkennung ausländischer Qualifikationen in Deutschland.

Fazit: Der Fachkräftemangel in der IT ist real

Obwohl es Experten gibt, die den Fachkräftemangel bei den IT Jobs als nicht existent bezeichnen, lässt er sich im Alltag vieler Unternehmen nicht wegdiskutieren. 

Die Ursachen sind vielfältiger Natur. Klar ist, dass sich Fachkräfte bei nahezu Vollbeschäftigung auf dem IT Arbeitsmarkt nur mit attraktiven Angeboten gewinnen lassen. 

Ob im Ausland oder aus dem Inland: Bewerberinnen und Bewerber erwarten überdurchschnittliche Konditionen. 

Obwohl in einigen Bereichen die KI bestimmte Aufgaben übernehmen wird, ist hiervon keine kurzfristige Besserung des Fachkräftemangels zu erwarten.

Insbesondere der Bedarf an Absolventen mit Hochschul- oder Fachhochschulabschluss in Informatik wird auf absehbare Zeit hoch bleiben.

Interessante Links:

Unbesetzte IT Stellen laut Bitkom

Informationen zum aktuellen IT Arbeitsmarkt

Bilder: Canva


Der Autor: Sascha Thattil arbeitet bei YUHIRO und hilft Unternehmern und Unternehmen beim einfachen Aufbau von Programmier-Teams in Indien. YUHIRO ist ein deutsch-indisches Unternehmen welches IT Firmen, Agenturen und IT Abteilungen Softwareentwickler bereitstellt.

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