Wie viele Softwareentwickler gibt es in Deutschland?

Qualifizierte Fachkräfte sind in Deutschland inzwischen in allen Branchen Goldstaub. Besonders die IT-Branche, die in den letzten Jahren massiv gewachsen ist, kämpft um Top-Talente. Trotz der wachsenden Zahl an IT-Experten herrscht in der Branche Fachkräftemangel.

IT-Fachkräfte: Der War for Talents hat längst begonnen

Die Zahl der Softwareentwickler in Deutschland ist den letzten beständig gewachsen. 2019 lag die Zahl der Entwickler bei etwa 901.000 (Quelle: Stack Overflow). Auch wenn diese Zahl kontinuierlich steigt, kann dies nicht mit dem Wachstum der Branche mithalten, sodass sich viele Unternehmen mit der Herausforderung konfrontiert sehen, nicht genügend qualifizierte Entwickler auf dem deutschen Arbeitsmarkt zu finden. 

Mit über 25.000 offenen Stellen im Jahr 2021 ist Softwareentwicklung nach dem Jobmonitor der Bertelsmann Stiftung in der Top 10 der meistgesuchten Berufe in Deutschland. Das zeigt eindeutig: Um Softwareentwickler herrscht längst ein War for Talents.

Struktur des deutschen Entwicklerarbeitsmarktes

Der deutsche Arbeitsmarkt bei Softwareentwicklern ist geprägt von Generalisten. Etwa 60 Prozent sind Full-Stack-Entwickler. 

Besonders knapp ist das Angebot an Mobile-Entwicklern. Nur etwa 5 Prozent programmieren für mobile Endgeräte. 

Bei den Programmiersprachen sind die deutschen Entwickler vielfältig aufgestellt. Etwa 14 Prozent beherrschen Java, dahinter folgt Python mit knapp 13 Prozent. Im Mobile-Bereich sind fast zwei Drittel auf Android spezialisiert, die Zahl der iOS-Entwickler ist deutlich geringer (Quelle: Stack Overflow).

Standorte für die IT-Ausbildung

Dass die IT-Branche ein zukunftsträchtiges und lukratives Betätigungsfeld ist, ist bei vielen jungen Menschen angekommen. Wenig überraschend steigen die Zahlen von Studenten in der IT seit Jahren. Laut dem Centrum für Hochschulentwicklung (CHE) waren im Wintersemester 2021/2022 in Deutschland insgesamt etwa 255.000 Studenten für das Fach Informatik eingeschrieben. Jedes Jahr immatrikulieren sich etwa 35.000 junge Menschen für den Studiengang. Die schlechte Nachricht: Nicht alle davon beißen sich tatsächlich bis zum Studienabschluss durch. Aufgrund hoher Abbruchzahlen erreichten laut CHE jährlich nur etwa 18.000 Studenten einen Abschluss in Informatik.

Nach dem Wirtschaftswoche Hochschulranking 2023 sind bei Personalern aus der IT-Branche insbesondere Absolventen von technischen Universitäten besonders begehrt. So wurde die TU Berlin zum beliebtesten Ausbildungsstandort der Branche gewählt. Dahinter folgen die RWTH Aachen und die TU München. Selbstverständlich sagt die Ausbildungsuniversität nur bedingt etwas über die Qualität der Absolventen aus. Gerade an den in der Branche beliebten Standorten konkurrieren Unternehmen bereits in einem frühen Stadium um die zukünftigen Fachkräfte. 

Es lohnt sich also, auch an kleineren Hochschulstandorten gezielt auf die Suche nach potenziellen Mitarbeitern zu gehen und diese bereits im Studium durch Werkstudentenverträge an das eigene Unternehmen zu binden.

Deutsche Top 10 Standorte für die IT-Ausbildung:

  1. Technische Universität Berlin
  2. RWTH Aachen
  3. Technische Universität München
  4. Humboldt-Universität Berlin
  5. Freie Universität Berlin
  6. Technische Universität Darmstadt
  7. Karlsruher Institut für Technologie
  8. Goethe-Universität Frankfurt
  9. Ludwig-Maximilians-Universität München
  10. Technische Universität Dresden

(Quelle: Wirtschaftswoche Hochschulranking 2023)

Entwicklerregionen deutschlandweit

Fachkräfte in der IT sind zwar äußerst mobil, dennoch zeigt sich eine Ballung von IT-Expertise natürlich dort, wo viele Tech-Unternehmen angesiedelt sind. Hier haben es gerade kleinere Unternehmen besonders schwer im Wettbewerb um Fachkräfte.

Die Rhein-Ruhr-Region hat sich als Ballungsgebiet zu einer der führenden IT-Regionen in Deutschland entwickelt. Knapp 95.000 Softwareentwickler gehen hier einer Beschäftigung nach. 

Besonders geballt ist die IT-Kompetenz natürlich in der Bundes- und Start-up-Hauptstadt Berlin. Etwa 82.000 Entwickler sind hier zu finden. Insbesondere Mobile-Entwickler bevorzugen diesen Standort. 

Die Region München gilt als Europas Top-Standort für Informations- und Kommunikationstechnik. Dementsprechend sind mit rund 65.000 Softwareentwicklern viele Fachkräfte im „Isar Valley“ beheimatet. 

Der viertgrößte Standort für Softwareentwicklung ist Frankfurt am Main mit etwa 48.000 Entwicklern; auf Platz 5 folgt die Region Stuttgart/Karlsruhe mit gut 40.000 Entwicklern. Nicht mehr in der Top 5, aber dennoch IT-Hochburg, ist Hamburg. Hier sorgen etwa 38.000 Entwickler auf einer vergleichsweise kleinen Fläche für geballte IT-Kompetenz (Quelle: Stack Overflow).

Deutsche Fachkräftesituation im internationalen Vergleich

Auch wenn in Deutschland viel über die schleppende Digitalisierung und einen Mangel an MINT-Absolventen geklagt wird, zumindest im europäischen Vergleich können deutsche Unternehmen auf den größten Pool an Softwareentwicklern zugreifen. Mit 901.000 Softwareentwicklern gibt es in Deutschland so viele IT-Spezialisten wie in keinem anderen europäischen Land. Auf Platz 2 und 3 folgen Großbritannien (ca. 850.000 Entwickler) und Frankreich (ca. 535.000 Entwickler) (Quelle: StackOverflow, Stand 2019). Im weltweiten Vergleich sind viele Staaten Deutschland aber längst enteilt: In den USA, dem Leuchtturm der Tech-Branche, gibt es schätzungsweise etwa 4,5 Millionen Entwickler (Quelle: Evans Data Corporation).

Aufgrund der Standortfaktoren und Gehälter haben deutsche Unternehmen im Wettbewerb um IT-Fachkräfte gegen US-amerikanische Konkurrenten kaum eine Chance. Interessanter ist der Blick in andere Weltregionen. So boomt beispielsweise die IT-Branche in Indien seit Jahren. Knapp 5 Millionen Entwickler sind hier die Wachstumstreiber. Dieses Potenzial ist auch für deutsche Unternehmen sehr interessant. Denn indische Entwickler sind nicht nur breit ausgebildet. Sie sind aufgrund der geringen Gehälter in ihrem Heimatland auch überaus mobil und international aufgestellt, sodass eine Anstellung in Remote oder auch in Präsenz bei einem deutschen Unternehmen für viele indische IT-Spezialisten eine attraktive Option ist.

Perspektivisch werden deutsche Unternehmen aufgrund des stetig wachsenden Bedarfs an IT-Fachkräften zunehmend auf internationale Softwareentwickler zurückgreifen müssen. Dabei ist es empfehlenswert, nicht unbedingt auf den westeuropäischen oder US-amerikanischen Arbeitsmarkt zu setzen. Am stärksten boomt der Markt an IT-Fachkräften in Südostasien und Südamerika. Neben Ländern wie Indien haben auch China, Mexiko, Argentinien sowie osteuropäische Staaten wie Polen und die Ukraine zahlreiche hochqualifizierte IT-Experten, die überaus flexibel sind. 2019 lag die Zahl von Softwareentwicklern weltweit schätzungsweise zwischen 19 und 24 Millionen – Tendenz steigend, sind sich alle Quellen einig (Quellen: Evans Data Corporation, IDC calculations, Slashdata). Es lohnt sich für deutsche IT-Unternehmen also durchaus, bei Recruiting-Maßnahmen auch das Ausland in den Blick zu nehmen.

Gehälter in der IT-Branche

In kaum einer Branche stehen Unternehmen so stark in Konkurrenz um Fachkräfte wie in der IT, da Softwareentwickler überaus mobil sind und in vielen Fällen eine Remote-Anstellung möglich ist. Dementsprechend ist das Gehalt ein wesentlicher Hebel, um Fachkräfte für das eigene Unternehmen zu begeistern.

Laut dem Entgeltatlas der Bundesagentur für Arbeit von 2022 liegt das Mittel der Gehälter im Bereich Softwareentwicklung bei 5.149 Euro brutto monatlich. Geht man davon aus, dass Berufseinsteiger vor allem im untersten Viertel der Gehaltsverteilung angesiedelt sind (unterstes Quartil), so liegen die Einstiegsgehälter für Softwareentwickler im Bereich um 4.144 Euro brutto pro Monat. Das oberste Quartil kommt auf ein Brutto-Monatsgehalt von 6.150 Euro. Die Zahlen der Arbeitsagentur sind belastbar, dennoch lohnt auch ein Blick auf die Erhebung des Gehaltsdienstleisters Compensation Partner: Dieser hat zur Berechnung des Mediangehalts im Beruf die Vergütungen von Führungskräften ausgeklammert und kommt dabei auf ein Mittel von 4.314 Euro brutto monatlich für Entwickler in Deutschland.

Diese Gehaltszahlen geben Personalern einen Anhaltspunkt, wie wettbewerbsfähig ihr Unternehmen in Sachen Gehalt aufgestellt ist. Dennoch muss aufgrund der angespannten Fachkräftesituation mit deutlich höheren Gehaltsforderungen gerechnet werden, insbesondere wenn bestimmte Spezialisierungen und langjährige Berufserfahrung gefordert sind. Zusätzlich zu einem attraktiven Gehalt können IT-Arbeitgeber sich mit flexiblen Arbeitszeitmodellen (Remote, Vertrauensarbeitszeit etc.), Benefits sowie interessanten Projekten und Aufgabenfeldern von Mitbewerbern abheben.

Fazit: IT-Unternehmen müssen bei der Fachkräftegewinnung neue Wege gehen

Die IT-Branche ist ein attraktives Arbeitsfeld. Dennoch kann der Zuwachs an Fachkräften nicht die Nachfrage der Unternehmen bedienen. Noch extremer als in anderen Branchen hat sich hier in den letzten Jahren ein Arbeitgebermarkt entwickelt. IT-Unternehmen sind daher gezwungen, bei der Fachkräftegewinnung über den Tellerrand – beziehungsweise über die Landesgrenze – hinauszuschauen. Softwareentwickler aus Südostasien, Südamerika und Osteuropa sind gut ausgebildet und damit eine echte Alternative. Mit dem Fachkräfteeinwanderungsgesetz wird die Fachkräftegewinnung im Ausland glücklicherweise einfacher.

Natürlich ist auch der War for Talents in Deutschland nicht aussichtslos. Mit attraktiven Konditionen sowie einer frühen und gezielten Ansprache von IT-Studenten können sich Unternehmen von Mitbewerbern abheben und spezialisierte Fachkräfte gewinnen.    

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Bilder: Canva


Der Autor: Sascha Thattil arbeitet bei YUHIRO und hilft Unternehmern und Unternehmen beim einfachen Aufbau von Programmier-Teams in Indien. YUHIRO ist ein deutsch-indisches Unternehmen welches IT Firmen, Agenturen und IT Abteilungen Softwareentwickler bereitstellt.

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