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Lean vs. Agil: Unterschiede und Gemeinsamkeiten

Lean vs. Agil: Unterschiede und Gemeinsamkeiten

In Fachartikeln und Büchern rund ums Projektmanagement sind den Ansätzen „Lean“ und „Agile“ umfangreiche Kapitel gewidmet. Beide Methoden werden oft synonym zueinander verwendet und tatsächlich weisen agile Methoden und Lean-Management durchaus grundlegende Parallelen auf. Es gibt aber auch wesentliche Unterschiede. In diesem Beitrag führen wir in die Grundlagen von Lean- und Agil-Management ein und zeigen die wichtigsten Unterschiede auf.

Lean – Konzentrieren auf das Wesentliche

Soll man das Lean-Management beschreiben, so kommt man um das Schlagwort „Waste Reduction“ nicht herum, und in der Tat stellt die Vermeidung von Ressourcenverschwendung ein wesentliches Prinzip des Lean-Managements dar. Im industriellen Umfeld sind hier z. B. Überproduktion und überhöhte Lagerbestände gemeint, die es zu vermeiden gilt; in der Softwareentwicklung das zeitraubende Task-Switching. Lean-Ansätze haben bereits in den 90er Jahren sehr an Bedeutung gewonnen.

Werkzeuge wie Just-in-Time, Kaizen und die erwähnte Vermeidung von Verschwendung haben den bis dahin in der Produktion etablierten Taylorismus immer mehr in Frage gestellt. Das vom japanischen Toyota-Konzern entwickelte Lean-Management wird in einigen Übersetzungen auch als „Schlankes Management“ bezeichnet, obwohl diese Übersetzung nicht ganz korrekt ist.

Lean Management beschreibt die Prämisse „Werte ohne Verschwendung schaffen“, wobei die Zielsetzung ist, sämtliche Wertschöpfungsaktivitäten im Produktionsprozess zu optimieren und unnötige Tätigkeiten zu vermeiden. Dabei soll das vorhandene System sowohl aus Sicht des Kunden als auch aus Sicht des Unternehmens überprüft werden: Dem Kunden soll sein Wunsch nach Verfügbarkeit, Qualität und Individualität bestmöglich erfüllt werden, gleichzeitig soll das Unternehmen profitabel arbeiten können und seine Wettbewerbsfähigkeit verbessern.

Hieraus ergeben sich Produktionsprozesse mit einer hohen Kundenorientierung, denn nur die Fokussierung auf die Erfüllung der Kundenwünsche sorgt für wirtschaftliches Arbeiten und eine hohe Effizienz. Detaillierte Prozessdefinitionen, festgelegte Verantwortlichkeiten, schnelle Reaktionen auf Fehler im Workflow sowie einfache Organisationsmethoden sorgen für stabile Arbeitsabläufe, aus denen letztendlich hochwertige Produkte entstehen.

Folgende zehn Gestaltungsansätze haben sich in den vergangenen Jahren für ein effektives Lean Management herauskristallisiert:

  1. Kundenorientierung – alle Tätigkeiten werden auf den Kunden ausgerichtet
  2. Geschäftsprozessoptimierung
  3. Rückbesinnung auf eigene Stärken
  4. Eigenverantwortung, Teamwork und Empowerment
  5. Mitarbeiterführung als Service am Mitarbeiter
  6. Gelebte Kundenorientierung als Firmenleitbild
  7. Kulturwandel im Unternehmen
  8. Offener Informationsaustausch
  9. Dezentrale Strukturen
  10. Fortlaufende Qualitätsverbesserung (Kontinuierlicher Verbesserungsprozess, KVP)

Aus diesen Punkten ergibt sich das ständige Streben nach Perfektion, die jedoch nie erreicht wird.

Grundlagen der agilen Methoden

Während sich das Lean-Management vorrangig in der industriellen Fertigung – namentlich in der Automobil-Industrie – durchgesetzt hat, so gewannen insbesondere in der IT-Systementwicklung agile Methoden große Bedeutung.

Diese entstanden Anfang der 90er Jahre durch die Problematik, komplexe Software-Entwicklungen mit den bis dahin verbreiteten traditionellen starren Entwicklungsprozessen wie dem Wasserfall- oder V-Modell umzusetzen. Das Ergebnis waren immer häufiger gescheiterte Projekte oder zumindest Arbeitsergebnisse, die an den festgelegten Zielen weit vorbeiführten.

So entwickelte sich eine Bewegung, die auf selbstorganisierende Teams und auf inkrementelle Vorgehensweisen setzt. Im Entwicklungsprozess werden immer wieder neue Ideen eingebracht, ursprüngliche Ideen ggf. wieder verworfen und Ziele neu gesteckt. Im Jahr 2001 haben 17 Erstunterzeichner das so genannte Agile Manifest unterzeichnet und dabei folgende Werte der Softwareentwicklung festgelegt:

  • Interaktionen und Menschen stehen über Werkzeugen und Prozessen.
  • Kooperation mit dem Kunden ist wichtiger als Vertragsverhandlungen.
  • Reaktionen auf Veränderungen steht über dem strikten Befolgen eines Plans.
  • Funktionierende Software zählt mehr als eine umfassende Dokumentation.

Mit diesem „Agile Manifest“ gelingt es bis heute, Software flexibel zu gestalten und zu entwickeln.

Eine sehr bekannte agile Methode ist Scrum. Hierbei werden die Organisation und der Ablauf eines Produktionsprozesses höher gewertet als technische Aspekte. Somit kann Scrum als agile Methode auch in anderen Branchen und Bereichen eingesetzt werden.

Bei Scrum wird ein Gesamtprojekt in einzelne Schritte, den so genannten Sprints unterteilt. Weitere zentrale Elemente sind Reflexion und gemeinsame Entscheidungsfindungen im Team, offenes Feedback sowie fortlaufende Anpassungen und Änderungen des Projektplans. Kurze planbare Intervalle – hier also die Sprints – sind bereits aus dem Lean-Management bekannt.

Sprints sind immer gleich lang und nicht wie in anderen Methoden auf eine notwendige Dauer ausgerichtet, um ein Ziel zu erreichen, sondern die nächsten zu erreichenden Ergebnisse werden so aufgeteilt, dass sie zuverlässig innerhalb eines Sprints erarbeitet werden können.

Gegenüberstellung: Lean vs. Agile

Lean-Management und agile Methoden bieten durch Schnittmengen eine Reihe von Gemeinsamkeiten, die sich – sinnvoll eingesetzt – durchaus sinnvoll ergänzen können. In beiden Philosophien spielen das Team und seine Mitglieder sowie die ständige Verbesserung von Arbeitsprozessen eine wichtige Rolle.

Es gibt Gemeinsamkeiten nicht nur bezüglich des Führungsprinzips (Kundenorientierung und eigenverantwortliche Teams), sondern auch die Gewichtung von Feedbacks, die Konzentration auf kurze Zyklen sowie die Reduktion von Komplexität. Folgende Gegenüberstellung soll dies verdeutlichen:

Orientierung

  • Lean: Wertschöpfung für den Kunden
  • Agil: Schnelle Befriedigung von Kundenwünschen

Standardisierung/Flexibilität

  • Lean: Standardisierung und möglichst wenig Veränderungen zur Vereinfachung von Prozessen
  • Agil: Flexible Herangehensweise zur schnellen Umsetzung von Änderungen

Verantwortlichkeiten

  • Lean: Eigenverantwortliche Teams und einzelne Mitarbeiter
  • Agil: Selbstorganisierte Teams

Komplexität

  • Lean: Reduktion auf wichtige Wertschöpfungsprozesse
  • Agil: Reduktion der Komplexität durch Leistungserbringung in kleinen Einheiten

Nachhaltigkeit

  • Lean: Gleichmäßige Auslastung der Produktionsmittel
  • Agil: Gleichmäßiges Arbeitstempo halten, ohne das Team zu überfordern

Verbesserung

  • Lean: Ziel der ständigen Verbesserung (ein Optimum wird nie erreicht)
  • Agil: Fortlaufender Fokus auf Exzellenz durch ein geeignetes Design

Die wesentlichen Unterschiede beider Methoden können Sie folgender Aufstellung entnehmen:

Lean

  • Produktionsprozess im Fokus
  • günstig auszuführen
  • standardisiert
  • automatisiert

Agil

  • Produkt im Fokus
  • günstig laufende Weiterentwicklung
  • flexibel
  • individuell

Fazit

Die Frage, ob nun das Lean-Verfahren oder agile Methoden für ein Unternehmen besser geeignet ist, lässt sich nur differenziert beantworten. Die Lean-Methode ist meist dann die bessere Wahl, wenn es darum geht, Kostenvorteile gegenüber den Mitbewerbern zu erzielen. Der Ansatz von „Vermeidung von Verschwendung“ hilft nicht zuletzt auch dabei, Kosten zu senken und dem Kunden dadurch einen günstigeren Preis anzubieten.

Soll hingegen ein Wettbewerbsvorteil dadurch erzielt werden, die Kundenwünsche und -bedürfnisse besser kennenzulernen und zu verstehen, um sie besser befriedigen zu können, setzt dies Prozesse voraus, mit denen Marktanalysen betrieben werden können. Mit agilen Methoden bieten sich viele Möglichkeiten, auf diese Erkenntnisse schnell zu reagieren.

Sie sehen: Keiner der beiden Ansätze ist jeweils besser oder schlechter. Essenziell wichtig ist die Erkenntnis, welche Ziele ein Unternehmen verfolgen muss, um erfolgreich am Markt bestehen zu können. Mit diesem Wissen ergibt sich der passende Weg beinahe von ganz allein.

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Bilder: Canva


Der Autor: Sascha Thattil arbeitet bei YUHIRO und hilft Unternehmern und Unternehmen beim einfachen Aufbau von Programmier-Teams in Indien. YUHIRO ist ein deutsch-indisches Unternehmen welches IT Firmen, Agenturen und IT Abteilungen Softwareentwickler bereitstellt.

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