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Arbeitsrecht in Indien: Das Wichtigste

Arbeitsrecht in Indien: Das Wichtigste

Immer mehr Unternehmen aus Deutschland arbeiten mit IT Firmen aus Indien zusammen. Im Rahmen dieser Zusammenarbeit werden vermehrt Mitarbeiter/ Entwickler in Indien eingestellt. In manchen Fällen ist die Zusammenarbeit mit dem Partnerunternehmen auf dem Subkontinent so eng, dass es Sinn macht, die Rahmenbedingungen zum Arbeitsrecht dort zu kennen.

Ähnlichkeiten zum deutschen Gesetz

Die indischen gesetzlichen Regelungen stammen zum Grossteil dem britischen Gesetzgebungen ab, da Indien lange Zeit eine Kolonie der Briten war.

Daher sind die rechtlichen Gegebenheiten ähnlich, zu dem was man aus Grossbritannien kennt und hat hiermit auch eine Ähnlichkeit mit dem Gesetz aus Deutschland.

Im Folgenden unterschiedliche Regelungen.

Arbeitszeit und Überstunden-Regelung

Die normale tägliche Arbeitszeit, beträgt wie in Deutschland auch, 8 Stunden. In Deutschland darf der Arbeitgeber, die tägliche Zeit auf maximal 10 Stunden ausdehnen, muss jedoch sicherstellen, dass über einen Zeitraum von 6 Monaten, die 8 Stunden durchschnittlich am Tag eingehalten werden. In Indien wiederum, ist die maximale Arbeitszeit pro Tag mit 10 Stunden festgelegt. Für die Arbeitswoche liegt die maximale Zeit bei 54 Stunden, wobei der Samstag auch hinzuzählt. (Bidi and Cigar Workers (Conditions of Employment) Act, 1966) Dabei ist zu beachten, dass wenn mehr als 9 Stunden pro Tag or der mehr als 48 Stunden pro Woche gearbeitet wird, jede Stunde mit dem doppelten Stundenlohn zu vergüten ist. (Minimum Wages Act, 1948)

Diese Regelung wird von den meisten Arbeitgebern in Indien beachtet. Besonders im IT/ Software-Bereich.

Pausen

In Deutschland gilt laut § 4 Arb­ZG eine Pause von mindestens 30 Minuten, wenn die Arbeitszeit zwischen 6 Stunden und 9 Stunden liegt. In Indien muss eine Pause von mindestens 30 Minuten gegeben werden, wenn die Arbeitszeit länger als 5 und halb Stunden beträgt. (Factories Act, 1948)

Zahlung von Gehältern

Die Gehälter sind laut indischer Gesetzgebung, spätestens nach dem siebten Tag nach Ablauf des regulären Arbeitsmonats zu zahlen. Falls die reguläre Arbeitszeit zum Monatsende endet, dann wird das Gehalt spätestens zum 7. des nächsten Monats fällig. (Hierzu muss gesagt werden, dass viele Arbeitnehmer, das Gehalt zum Monatsende erwarten, da viele Zahlungen zu diesem Zeitpunkt fällig werden. Zum Beispiel Kreditabzahlungen, Miete, etc.)

Kündigungsfristen

Wie in Deutschland auch, kann in der Probezeit vereinfacht gekündigt werden. In der Bundesrepublik kann in der Probezeit, mit einer Frist von 2 Wochen gekündigt werden. In Indien braucht es diese Frist nicht, und kann im Arbeitsvertrag flexibel ausgehandelt werden.

Nach der Probezeit wird es dann in Deutschland, als auch in Indien komplexer. In Deutschland gibt es verschiedenste Gründe, um einem Mitarbeiter kündigen zu können. Besonders schwer wird eine Kündigung in Deutschland, wenn es sich um ein relativ grosses Unternehmen mit Betriebsrat handelt.

Auf dem Subkontinent ist eine Kündigung in Grossunternehmen oftmals auch eher schwer. Besonders wenn es sich um Unternehmen handelt, welche vom Staat kontrolliert werden. Hierbei sind besonders Banken und Industrieunternehmen zu erwähnen.

In anderen Bereichen, wie in der IT oder anderen “modernen” Industrien gelten zwar die gleichen Gesetze, wie bei den staatlich geführten Unternehmen auch. Dennoch ist es dort in den meisten Fällen sehr einfach Mitarbeiter zu entlassen. Die meisten Arbeitnehmer in diesem Bereich haben oftmals Möglichkeiten in anderen Unternehmen unterzukommen. Daher kommt es in den wenigsten Fällen zum Rechtstreit. Auf der anderen Seite muss hier auch erwähnt werden: Erfolgreiche indische IT Unternehmen bieten sichere und gut bezahlte Arbeitsplätze. Mitarbeiter, besonders in der IT, wollen sich sicher fühlen. Dennoch findet man immer wieder Schlagzeilen, in denen grosse IT Unternehmen, wie Tata Consultancy Company auf einen Schlag mehrere Zehntausende Manager/ Entwickler entlassen.

In allen Fällen sollte man die Kündigung, nach der Aussprache der Selbigen, auch via Einschreiben an den Mitarbeiter/ ex-Mitarbeiter versenden, um einen Nachweis über die Kündigung zu haben.

Eine vorherige Abmahnung und eine einmonatige Weiterzahlung des Gehalts sollte standardmässig zu einer Kündigung dazugehören.

Anti-Diskrimierungsgesetz

Anders als in Deutschland, gibt es in Indien kein gut ausgearbeitetes Anti-Diskriminierungsgesetz. Dies führt auch dazu, dass Frauen, Behinderte, etc. einen relativ schlechteren Stand vor dem Gesetz haben. Arbeitgeber haben also keine Richtlinien hier in irgendeiner Weise tätig zu werden.

Urlaub

In jedem Bundesstaat sind die Urlaubstage unterschiedlich geregelt. Grundsätzlich lassen sich Urlaubstage in 3 verschiedene Kategorien unterteilen.

  • a) Paid/ Earned leave: Dies entspricht dem bezahlten Urlaub in Deutschland. In einem Jahr sind diese auf 12 Tage beschränkt, wie zum Beispiel im indischen Bundesstaat Kerala. (Kerala Shops and Establishments Act, 1960). Vergleich hierzu die 20 Arbeitstage Urlaub in Deutschland.
  • b) Casual leave: Für den “Casual leave” gibt es meiner Kenntnis nach keine Entsprechung in Deutschland. Es ist ein bezahlter Urlaub für Notfälle. Beispielsweise wird ein Kind krank und der Vater muss sich um das Kind kümmern. Für solch einen Fall, kann er einen Tag “Casual leave” nehmen. Diese sind in den meisten Bundesstaaten auf dem Subkontinent auf 12 Tage im Jahr beschränkt.
  • c) Sick leave: Der Sick leave entspricht der Krankschreibung in Deutschland. In der Bundesrepublik bekommt man sein Gehalt für maximal 6 Wochen weitergezahlt, wenn man erkrankt. Wird man erneut, nach dem Wiedereintritt krank, dann hat man erneut 6 Wochen Anspruch auf Lohnfortzahlung. Ist man länger als 6 Wochen krank, dann zahlt die Krankenkasse die Gehälter weiter. In Indien ist die Krankenfall Regelung eher Arbeitnehmerunfreundlich gestaltet. Hier hat man lediglich Anspruch auf 12 Tage bezahlten Krankheitsstand für ein ganzes Jahr.

Zusatzinformation zum Urlaub: Auf dem Subkontinent, als auch generell in Asien, wird eher wenig Urlaub genommen, wie man das aus der Bundesrepublik kennt. Meistens wird Urlaub genommen, um an Hochzeiten und anderen ähnlichen Aktivitäten teilzunehmen.

Feiertage

Wie in Deutschland auch, unterscheiden sich die Feiertage in den unterschiedlichen Bundesstaaten in Indien. Lediglich 3 Feiertage sind Landesweit einheitlich. Diese sind Republic Day (Januar 26), Independence Day (August 15) and Gandhi Jayanti (Oktober 2). Die meisten Arbeitgeber einigen sich mit den Mitarbeitern auf 10 bis 12 Feiertage. Diese werden gemeinsam mit den Mitarbeitern zum Start des Jahres festgelegt.

Fazit

Das indische Arbeitsrecht ist im Grunde genommen etwa genau so komplex wie das Deutschland. Dennoch kann man sagen, dass einige Industrien im generellen, die Gesetze nicht so genau nehmen müssen. Besonders in der IT Industrie pochen die Mitarbeiter eher weniger auf diese Gesetzgebungen.

Auf der anderen Seite ist bei Herstellenden-Industrien Vorsicht geboten. Hier gibt es starke Arbeitnehmerverbände, welche sehr viel Druck auf die Politik ausüben können. Grosse Unternehmen wie Coca Cola oder indische Unternehmen wie Tata wurden bereits durch solche Arbeitnehmerverbände gestoppt.

Die neue Regierung in Indien ist sehr dynamisch und versucht, besonders die Missstände in den Herstellenden-Industrien zu verbessern.

Als kurzes Fazit kann man sagen, dass es sich lohnt in der IT-/ Wissens- Industrie in Indien tätig zu werden, da man hier von einfacheren Gesetzgebungen Gebrauch machen kann, während man bei der Standortwahl von “Manufacturing”-Industrien eher aufpassen sollte.

Bilder: Flickr.com/ Whitehouse/ Chamorro/ Rowland

Interessante Links:
Gute Übersicht zum Arbeitsrecht auf dem Subkontinent
Neue Reformen im Gesetz


Der Autor: Sascha Thattil arbeitet bei YUHIRO und hilft Unternehmern und Unternehmen beim einfachen Aufbau von Programmier-Teams in Indien. YUHIRO ist ein deutsch-indisches Unternehmen welches IT Firmen, Agenturen und IT Abteilungen Softwareentwickler bereitstellt.

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